Lenze Digitalisierung

DOCK ONE – heißt das neue Innovationslabor für digitale Geschäftsmodelle der Industrie 4.0 in der Lenze-Gruppe


Wer wissen möchte, wie die digitale Zukunft im Maschinenbau aussehen kann, der sollte nach Bremen kommen. Dort, im Stadtteil Horn-Lehe, in der Nähe von Universität und Technologiepark, wird Zukunft nicht nur vorgedacht, sondern gemacht. Zwischen Start-ups und Hightech-Unternehmen entwickeln mehr als 200 technologiebegeisterte Mitarbeiter von encoway, logicline und Lenze gemeinsam digitale Geschäftsmodelle für die Industrie 4.0.

Auf dem Weg in das Innovationslabor der Lenze-Gruppe kommt der Besucher vorbei an modernen, zweckmäßig eingerichteten Büros. Glaswände lassen das Tageslicht in den Flur und sorgen für Transparenz. Die Konferenzräume tragen Namen, die der Sprache der Kaufleute und der Seefahrt entlehnt sind: „buten und binnen“ etwa, das Motto der Bremer Kaufleute, das noch heute die Fassade der Handelskammer ziert. Vollständig und auf Hochdeutsch heißt es „draußen und drinnen – wagen und gewinnen“. Genau das ist hier Programm.



Wo digitale Ideen Laufen lernen

Dieses Motto gilt auch für DOCK ONE, den rund 280 Quadratmeter großen unkonventionellen Denkraum im ersten Stock. Eine Fensterfront und Sichtbeton bestimmen die Optik; eine Küchentheke, gemütliche Sitzmöbel, flexible Stell- und Pinnwände mit bunten Klebezetteln; und der obligatorische Kickertisch. „New work“ eben. Was auch nicht fehlen darf: ein Tisch mit einem Wust von Netzwerkkabeln und Steckdosen, auf dem sich Notebooks, Tablets, mobile Geräte und technische Gadgets tummeln. Etwa eine Virtual-Reality-Brille, mit der sich der Nutzer in eine 3D-Welt begeben kann. Zum Beispiel um den Prototypen eines neuen Produkts zu testen – und das aus verschiedenen Perspektiven. Ein anderes Exponat, das die Schnittstelle zwischen Mensch und Maschine betrifft: Amazons Sprachassistent. Die Sprachanfrage: „Hi Alexa, wie geht es dem Motor?“ könnte schon bald in vielen Bereichen Wirklichkeit sein.

In DOCK ONE werden Ideen entwickelt, Prototypen gebaut, ausprobiert und angepasst. Wenn diese nicht funktionieren, werden sie zurückgestellt oder verworfen. Und schon ist die nächste Idee an der Reihe. Das geht schnell, unkompliziert, außerhalb von vorgegebenen Prozessen und vor allem ohne Denkverbote. Diese Start-up-Mentalität hat sich encoway, das hier in Bremen seinen Stammsitz hat, bewahrt. Nicht umsonst hat Lenze die IT-Tochter auch zum Flaggschiff seiner Digitalisierungsoffensive gemacht. https://dock.one

encoway und Lenze: eine strategische Investition mit Potenzial

Die IT-Experten sind spezialisiert auf Konfigurations- und Variantenmanagement für die Investitionsgüterindustrie. Sie entwickeln und vertreiben Software zur Produktkonfiguration, Preiskalkulation und Angebotserstellung – ein Prozess, der als Configure Price Quote (CPQ) bezeichnet wird. In diesem hochspezialisierten Nischenmarkt ist encoway führend in Europa. Ursprung dieser in vielen Projekten bewährten Lösung war ein Forschungsprojekt. Im Jahr 2000 entwickelte ein Team um die Gründer Klaas Nebuhr und Christoph Ranze am Bremer Technologie-Zentrum Informatik und Informationstechnik gemeinsam mit Lenze einen Antriebskonfigurator. Damit können die Mitarbeiter des Maschinenbauers mit wenigen Klicks beispielsweise aus unzähligen Teilen, Features und Möglichkeiten einen Getriebemotor zusammenstellen: und zwar maßgeschneidert auf die individuellen Anforderungen des Kunden. Denn für jeden Einsatzzweck gibt es eine passende Variante. Das spart Zeit, vermeidet Fehler und bildet die Voraussetzung für den Austausch einheitlicher Informationen zwischen Vertrieb, Einkauf und Produktion. Lenze erkannte das große Geschäftspotenzial in der Technologie und beteiligte sich daher bereits vor 18 Jahren an encoway. Der erste Kunde wurde zum strategischen Investor und Sparringspartner. Ein langfristiger Partner, der den Bremer Digital-Enthusiasten über all die Jahre die notwendige Freiheit zum Entwickeln ihres Geschäfts gegeben hat – wohl ein Grund dafür, dass die Gründer noch an Bord sind.

Zur Eröffnung konnten sich die Gäste selbst ein Bild von den ersten erfolgreichen Projekten des DOCK ONE machen. Völlig neue Blickwinkel eröffnen sich beispielsweise mithilfe einer Virtual-Reality-Brille, wenn es um die Konfiguration und Entwicklung von Produkten geht.

Ein kluger Schachzug: IT-Tochter ist wichtiger Partner bei der digitalen Transformation von Lenze und seinen Kunden

Beide Unternehmen arbeiten in ihrem jeweiligen Markt sehr erfolgreich. Seit ein paar Jahren ergeben sich mehr und mehr Berührungspunkte. Lenze und encoway rücken immer enger zusammen. Zielkunden, Geschäftsmodelle und Unternehmenskulturen unterschieden sich: hier der traditionsreiche große und in den Prozessen komplexer gewordene Konzern, dort das unkonventionelle, kleine und agile Software-Start-up. Auch das ändert sich zunehmend und seit ein paar Jahren sind die Software-Spezialisten eng in die Unternehmensstrategie des Konzerns eingebunden und übernehmen im Bereich Digitalisierung eine führende Rolle. Spätestens jetzt zeigt sich, dass die Investition vor 18 Jahren ein kluger Schachzug war. Der Maschinenbauer profitiert vom Know-how seiner IT-Tochter und ist damit Wettbewerbern einen großen Schritt voraus. Nicht nur, wenn es darum geht, die digitale Transformation im eigenen Unternehmen voranzubringen, sondern auch wenn im Markt neue Akzente zu setzen sind. Umgekehrt profitieren die Bremer von der Prozesskompetenz eines seit Jahrzehnten am Markt erfolgreichen produzierenden Unternehmens: Synergieeffekte auf der ganzen Linie. Auch die Kulturen haben sich angenähert. Aus dem IT-Start-up ist ein etablierter Mittelständler mit mehr als 200 Mitarbeitern und einer namhaften Kundenbasis geworden – Tendenz steigend. Und Lenze hat sich eine Philosophie als mittelständisches Familienunternehmen weitgehend bewahrt, obwohl der Konzern weltweit tätig ist und kontinuierlich wächst. Zur Lenze-DNA zählen auch Eigenschaften wie Offenheit für Neues und die Flexibilität, neue Wege einzuschlagen. Vielleicht ist genau das das Erfolgsrezept dieser Konstellation.

Nahezu unendliche Möglichkeiten für den Kunden – Konfigurator für 1028 Lösungsvarianten des eigenen Produktportfolios

Aktuell arbeiten die beiden Unternehmen gemeinsam daran, die Vielfalt des eigenen mechatronischen Produktportfolios um digitale Zusatzleistungen zu erweitern. Dabei gehört Losgröße 1 mit quasi unendlicher Varianz für Lenze auf Basis der encoway-Technologie zum Tagesgeschäft, so dass Kunden bereits heute über das Internet einfach ihr spezifisches Produkt auswählen können.

Die wirkliche Herausforderung im digitalen Zeitalter besteht darin, zu dem spezifischen Produkt aus einer quasi unendlichen Varianz während der Maschinenentstehung und über den gesamten Maschinenlebenszyklus bedarfsorientierte, verwendungsgerechte Produktdaten bereitzustellen. Und all dies natürlich über das Internet und ohne Wartezeit. Im Idealfall sind für den Kunden nicht einmal mehr Rückfragen nötig, und er klickt sich seine Lösung einfach individuell zusammen. Das spart Zeit und beschleunigt seine Arbeitsprozesse.

Dazu wurden in den vergangenen Jahren vielfältige Voraussetzungen geschaffen. Stammdaten wurden gänzlich neu organisiert, bestehende Produkt-Konfiguratoren optimiert und mit weiteren gekoppelt. Die Herausforderung bei einem so komplexen Tool wie dem Lenze-Konfigurator besteht darin, die extreme Variantenvielfalt digital zu organisieren. Denn theoretisch ergeben sich aus dem Produktspektrum von Lenze 1028 Lösungsvarianten. Auf Basis der encoway-Software werden Daten und Informationen zu den Produktbausteinen strukturiert in einer Datenbank abgelegt und logische Regelwerke entwickelt, die festlegen, wie diese am besten zusammenspielen.

Der Konfigurator ist damit Voraussetzung für individualisierte Maschinen bzw. Losgröße 1, wie sie die Kunden von Lenze in Zeiten von Industrie 4.0 immer mehr fordern. Denn jede Maschine ist heute so individuell, wie die Anwendung, für die sie gebaut wird.

Losgröße 1 als Maßstab für die Produktion

Wie lässt sich ein Höchstmaß an Individualisierung in der Produktion wirtschaftlich umsetzen? Wie präsentiert man die verschiedenen Produktvarianten dem Kunden am besten? Wie könnte das digitale Geschäftsmodell aussehen, das bei den eigenen Kunden tatsächlich zu neuen Umsätzen abseits von Effizienzgewinnen führt? Fragen, die Unternehmen beschäftigen und die in Workshops in DOCK ONE mit den Beratern von encoway diskutiert und geklärt werden können. Denn sie verstehen die Baukastenstrategien und Geschäftsmodelle produzierender Unternehmen entlang ihrer gesamten Wertschöpfungskette. Ein Angebot, das seit der Eröffnung im Mai 2018 rege genutzt wird. Große Namen aus IT und Industrie waren schon da. Und auch die Kollegen aus Hameln oder Extertal kommen gerne vorbei, um mal in anderer Umgebung Strategie- und Teamworkshops durchzuführen. Hier können sie eine neue, kreative Art der Zusammenarbeit ausprobieren, die bald auch schon im Mechatronic Competence Campus in Extertal möglich sein wird.

Internet of Things: Daten und Informationen von Maschinen in der Cloud

Ein Thema, das die Branche umtreibt, ist die Verwaltung und Nutzung von Maschinendaten. So gibt es zu sämtlichen Komponenten technische Dokumente und Gewährleistungsvereinbarungen. Bei größeren Anlagen verliert der Betreiber schnell den Überblick. Fällt eine Komponente unvorhergesehen aus, wird das zum Problem. Es könnte viel Zeit und damit Kosten für Stillstände gespart werden, wenn diese Unterlagen in der Cloud abgelegt würden. Ein Barcode könnte sie mit der entsprechenden Komponente verknüpfen und so schnell auffindbar machen. Ein nächster Schritt schafft die Voraussetzung für Zustandsüberwachung und präventive Wartung. Dafür reichert man die abgelegten Dokumente mit Daten direkt aus der Maschine, etwa zu Laufzeiten, ab. Auch Daten aus dem zur Resourcenplanung eingesetzten sogenannten ERP-System (Enterprise-Resource-Planning) sind sinnvoll, die Auskunft darüber geben, wann eine Komponente erworben und verbaut wurde.

Dank Beteiligung an logicline: durchgängige Digitalisierung von der Maschine bis ins Business

Genau solche Lösungen für ein digitalisiertes Asset Management kann Lenze nun bieten. Denn im Frühjahr 2017 hat die Unternehmensgruppe ihre Kompetenzen im Bereich der Digitalisierung mit der Beteiligung an logicline erweitert. Das derzeit 30-köpfige Softwareunternehmen aus Sindelfingen ist spezialisiert auf Cloud-Anwendungen, Mobile Apps und Internet-of-Things-Technologien. Kunden können seither von Tools und Dienstleistungen für die durchgängige Digitalisierung von der Maschine bis ins Business profitieren. www.logicline.de